Glück ist eine Lifestyle-Entscheidung

„Du kannst doch als Vorstandsvorsitzender unmöglich um vier Uhr nach Hause gehen.“ frage ich gespielt misstrauisch.
„Warum nicht? Musst du 70 Stunden arbeiten? 80? Mehr?“ fragt Petter mich. „Was ist denn wichtig? Sind es die Stunden oder ist es die Arbeit? Natürlich will ich meine Kinder abholen. Das ist eine Lifestyle-Entscheidung.“

 

Petter ist Leiter des gesamten Produktionsbereichs eines weltweit führenden Düngemittelherstellers mit Hauptsitz in Oslo. Ihm unterstellt sind 60 Prozent der 12.000 Mitarbeiter in 150 Ländern. Seine Frau arbeitet übrigens auch Vollzeit.
Und ich? Ich bin mal wieder unterwegs auf der Suche nach dem Glück. Diesmal aber im Arbeitsleben der Skandinavier. Alles klar, höre ich den Leser denken. Norwegen! Viel Öl und weit weg von all den Problemen unserer Welt. So kann ich auch glücklich und erfolgreich sein.
Vielleicht. Aber das mit dem Glück und Erfolg gilt auch für die ehemaligen Armenhäuser Europas: Finnland, Island, Schweden oder Dänemark. Norwegen gehörte auch dazu. Und heute? … Landet Norwegen laut World Happiness Report auch noch auf dem ersten Platz der Glücksländer! Ansonsten hohe Steuern, hohe Löhne aber hohe Rendite. Der Laden des Nordens brummt. Und man rätselt und man rätselt. Wie bekommen die das nur hin?

Nun. Es könnte an den Menschen liegen. An Menschen, die sich das Leben leisten. Wir hingegen gerade einmal den Urlaub. 2 Wochen am Stück, wenn’s hoch kommt. Und schon gar nicht gesetzlich erlaubte 4 Wochen am Stück. Mitten im Sommer in Schweden. Wo kämen wir denn da hin?

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Geschenke, die wirklich glücklich machen

Es ist wieder soweit, Weihnachtszeit – Geschenkezeit. Leuchtende Kinderaugen, Gestresste Eltern, Übervolle Läden. Übergroße Erwartungen. Das muss nicht sein, denn das perfekte Geschenk finden Sie meist nicht an der Ladentheke…

Denn, ob Geschenke glücklich machen, hängt davon ab, was man schenkt und wie man es schenkt. Wir denken oft an „schön, groß und teuer“, dabei vergessen wir, dass Geschenke vor allem eins sein sollten: Wertvoll. Etwas voller Wertschätzung. Und das hat nichts mit seinem Preis oder seiner Größe zu tun. Wertvoll sind Geschenke dann, wenn sie langanhaltend glücklich machen. Materielles leistet da schlechte Dienste, weil Menschen die Gabe besitzen, sich an Dinge zu gewöhnen. Was erst besonders war, wird schnell gewöhnlich und verliert bald seinen Wert.

Geschenke hingegen, die bleiben, sind Dinge, an die wir uns erinnern: Gemeinsame Erlebnisse, zusammen Schlittschuh fahren, im Stadion für denselben Lieblingsverein grölen oder auch einfach ein liebevolles Frühstück ans Bett gebracht. Erinnerungen an solche Erlebnisse bleiben lange bestehen und geben uns ein gutes Gefühl, jedes Mal, wenn wir uns daran erinnern. Und zwar – und das ist das gute – beiden: Ihnen selbst und der Person, die das Geschenk erhalten hat. So einfach verdoppelt sich das Glück.

„Jemand mit einem kleinen Budget kann also genauso großartige Geschenke machen, wie jemand, der in Geld schwimmt.Was zählt ist, dass wir uns wirklich Gedanken darüber machen, was dem anderen Freude bereiten könnte.“

Das kann ein Buch sein, das Sie selbst so sehr inspiriert hat. Das kann aber auch ein selbstgebastelter Gutschein für „fünf mal Sonntags um 8 Uhr Croissants beim Bäcker holen“ sein. Denn es zeigt dem Beschenkten auch: „Du bist es mir wert, dass ich mich morgens für dich aus dem Bett quäle.“ Zumindest fünf mal. Und das Gefühl wertgeschätzt zu werden ist ein sehr viel stärkerer Glücksmotor als der schicke Ring vom Juwelier. Wenn Menschen uns Aufmerksamkeit und Lebenszeit schenken.

Also bitte bloß nicht alles perfekt! Das ist die Falle, in die wir oft treten. Dass wir denken, an Weihnachten muss alles stimmen. Als Ergebnis ist dann die Stimmung im Keller, weil wir uns selber verrückt machen.

„Sorgen Sie dafür, dass sie zu Weihnachten relaxed und gut drauf sind, das ist das allergrößte Geschenk, dass sie anderen machen können.“

Wer gut drauf ist, kann auch über einen misslungenen Festtagsbraten herzlich lachen. Ihre Laune färbt auf andere Menschen ab. Seien Sie das Licht zu Weihnachten, dann wird es von selbst ein leuchtendes Fest werden.

 

 

 

Wie Sie mit skandinavischen Tricks glücklich durch trübe Tage kommen.

„Also wer seine Laune vom Wetter beeinflussen lässt, der hat hier sowieso schon verloren. Das hier ist nicht Capri.“ Das leuchtet mir ein. Ich sitze im schwedischen Sommer auf der Terrasse des typisch rot gestrichenen Hauses von Tilmann Bünz, langjähriger Skandinavienkorrespondent. Feiner Nieselregen verteilt sich leise aus grauen Wolken auf die glänzenden Blätter schwedischer Natur. Am Wetter kann es tatsächlich kaum liegen, dass die Schweden ihren Stammplatz unter den Top 10 der glücklichsten Ländern der Welt seit Jahren behaupten

Wie muss das hier wohl im Winter sein?

Tilmann Bünz, Skandinavienkorrespondent

Maike van den Boom im Gespräch mit Tilmann Bünz – Skandinavienexperte und langjähriger Korrespondent der ARD

„Schweden ist das ideale Land für starke Wettereindrücke. Und es gibt sie tatsächlich, die Menschen die die Kälte und Dunkelheit lieben.“ fährt Bünz fort. „Auf einmal hat man diesen wahnsinnigen Winter mit all seinen Kinderfreuden, die man erleben kann. Man kann auf der Ostsee spazieren, einen schwedischen Glühwein auf dem Eis trinken und genießen, dass man wieder zurück zur Natur gekommen ist. Das sind echte Glücksmomente!«

Glücksmomente, die wir bei den ersten Anzeichen der nasstrüben Jahreszeit spontan zu verlieren scheinen. Wie jedes Jahr schlägt uns langsam Tag für Tag die Dunkelheit und Kälte auf unser deutsches Gemüt. Zumindest bei 23 Prozent unserer Mitmenschen nach der „Bleib locker, Deutschland!“-Stressstudie der Techniker Krankenkasse.

Verantwortlich für die triste Stimmung unter der viele von uns leiden ist vor allem der Lichtmangel. Zum einen produziert der Körper dadurch vermehrt das träge machende Schlafhormon Melatonin. Zum anderen werden weniger Serotonin und Endorphine ausgeschüttet. Diese Botenstoffe wirken wiederum stimmungsaufhellend auf die Menschen. Wenn sie fehlen, fühlen wir uns häufig lustlos.

Kaum vorzustellen wie es den nordischen Ländern ergehen muss, bei denen sich die Sonne teilweise monatelang nicht über den Horizont bequemt.

Nun. Es geht ihnen gut. Weder die Dänen, Schweden, Isländer noch die Norweger oder Finnen scheinen sich von Kälte und Dunkelheit besonders beeindrucken zu lassen. Im Gegenteil. Sie gehören zu den glücklichsten Ländern der Welt.

Wie lautet ihr Geheimnis?

 

Raus in die Natur!

Auf meiner Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt treffe ich Abends Aron, einen blondgelockten Segler im Hafen der Stadt Trømso hoch oben im Norden Norwegens. Er liebt den Winter: „Wir sind echte Outdoor-Menschen in Norwegen. Ich bin sicher, dass einige von uns Norwegen nicht verlassen, weil sie das Langlaufen in den Bergen vermissen würden. Es gibt hier noch Natur, und man kann mit ihr auskommen.“ Eine Studie in der Stadt Trømso hat tatsächlich ergeben, dass der negative Einfluss von Winter auf psychische Störungen hier mehr Mythos als Tatsache ist.[1]

Natur hat durchaus ihren Sinn. Wann sollte man sich dessen bewusster sein als in Gesellschaft der fauchenden Vulkane und blubbernden Quellen Islands? An statt sich wegen es Wetters zu grämen hüpfen die Inselbewohner lieber in ihre heißen Quellen: „Selbst wenn es stürmt, kannst du in diesen warmen Becken sitzen und dich massieren lassen. Das ist wirklich schön …“ so Dóra Gudmundsdottir, die isländische Glücksforscherin, die mir im selben Atemzug erzählt, dass Winterdepressionen auf der kleinen arktischen Insel so gut wie gar nicht vorkommen. Das Geheimnis ist die Bewegung im Licht der Natur. Dazu rät auch die Wissenschaft, denn wer seine Nase lieber ein Stunde in eine der Tageslichtlampen steckt, anstatt eine Stunden durch den dämmrigen Nieselregen zu marschieren, der setzt eventuell aufs falsche Pferd. Laut einiger kritischer Studien[2]konnte die Wirkung dieser Therapieform nicht überzeugend bewiesen werden. Ein wolkenverhangener Himmel produziert immer noch mehr Helligkeit als jede noch so LUX-starke Lampe am Frühstückstisch.

 

Rein in die Geselligkeit!

Aber die isländische Glücksforscherin ist noch nicht fertig mit ihrem Tipp: „Wir nutzen das, was wir hier haben, zum Beispiel die Dunkelheit im Winter. Dann zünden wir zu Hause Kerzen an und machen es uns mit Menschen, die wir mögen, gemütlich.“ Da stimmt die 70-jährige Maria Edwards, gebürtige Engländerin, zu. Sie wohnt im kleinen Ort 350 Kilometer vom Polarkreis entfernt. „Hier sind die Winter hart, aber daran sind wir gewöhnt. Wenn es dunkel ist, ist es das Wichtigste, dass man mit lieben Menschen zusammen ist. Dann bedeutet die Dunkelheit gar nichts!“ Wo auch immer sie sich treffen. Die circa fünf Millionen Finnen tun dies am liebsten in einer ihrer geschätzt zwei Millionen Saunen.

 

Ihre Entscheidung

„Viele Menschen denken, dass Finnland im Winter ziemlich depressiv sein kann, denn es ist wirklich dunkel und du siehst kaum die Sonne. Aber besonders, wenn du Kinder hast, kannst du den Schnee genießen, Ski fahren, all diese Winteraktivitäten unternehmen. Jeder muss persönlich entscheiden, ob er glücklich ist oder nicht.“, findet die blonde Mutter von zwei Kindern, die ich in Helsinki dazu befrage.

 

Was gegen den schummrigen Winterblues hilft ist der Reichtum an Dingen, die man nicht kaufen kann: Bewegung in der Natur und Geselligkeit. Also raus mit Ihnen in das schlechte Wetter und die Kälte. Freunde treffen, Schlittenfahren, Nordic Walking oder lange Spaziergänge am Morgen. Auch wenn diese Aktivitäten uns regelmäßig aus unserer gemütlichen Wohnungen werfen. Wer die Tricks kennt, sollte sie nutzen.

 

[1] Johnsen et al.: Is there a negative impact of winter on mental distress and sleeping problems in the sub-arctic? Findings from the cross-sectional population Troms? Study. BMC Psychiatry 2012 12:225.)

[2] J Affect Disord. 2015 Aug 15;182:1-7. doi: 10.1016/j.jad.2015.04.013. Epub 2015 Apr 11. Bright white light therapy in depression: A critical review of the evidence. Mårtensson B1, Pettersson A2, Berglund L3, Ekselius L4.

Auf ein Neues! So halten Ihre Vorsätze länger als ein Jahr

Weniger trinken, mehr Sport, weniger Arbeiten, mehr Zeit für Beziehung. Mal relaxter sein, mehr mit dem Rad fahren. So oder so ähnlich lauten die guten Vorsätze für 2016. Letztendlich mit dem einen Ziel: zufrieden mit sich selbst und dem Leben zu sein. Vorsätze sind schnell gefasst. Halten tun sie aber leider oft nicht lange. Warum?

 

Wenn der Job Sie täglich auslaugt, weil er nicht Ihren Talenten entspricht, dann fühlen Sie sich auch mit drei Kilo weniger auf den Hüften nicht richtig wohl in Ihrer Haut. Viele Menschen fragen sich dann verzweifelt, wo denn das Glücksgefühl jetzt bleibt? Sie geben nach wenigen Wochen wieder auf und bestellen sich frustriert ein Schnitzel mit Pommes und Majo.

Die Kilos sind nämlich nur ein „kosmetischer“ Vorsatz, der ein kurzzeitiges Glücksgefühl auslöst. Wenn wir uns dann aber das Leben als Ganzes anschauen, ist da oft noch vieles im Argen. Die großen Lebensfragen und -wünsche schieben wir gerne jahrelang vor uns her. Und wir finden immer eine brillante Entschuldigung dafür, sie nicht anzugehen. Schon gar nicht zum Jahreswechsel.

Doch es sind genau diese grundsätzlichen Lebensprinzipien, die bestimmen, ob Sie dauerhaft glücklich sind oder nicht. Wessen Vorsätze dazu passen, der vergisst auch nach 2016 nicht, was er sich vorgenommen hat. Doch an diese Lebensprioritäten trauen wir uns oft nicht ran, weil Aufgaben zu unbequem sind und die Kosten zu hoch. Wer etwa endlich seinen Lebenstraum verwirklichen möchte, muss vielleicht auf seinen guten Job verzichten. Wer Entschleunigen möchte, kann nicht mehr auf allen Hochzeiten tanzen. Doch Glück gibt’s nicht gratis. Glück bedarf einer klaren Entscheidung und Disziplin.

 

Die Top 3 der Lebenswerte für 2016 

 

Erobern Sie sich Ihre Zeit zurück!

Zeit

Einfach mal „nix-sen“

Macht mehr Sport wirklich glücklich, oder benötige ich einfach mehr Zeit mich frei zu bewegen?

Das Gefühl, Herrn über seine Zeit zu sein, ist ein außerordentlich starker Motor fürs Lebensglück. Denn Menschen brauchen Zeit zum Ankommen, Reflektieren, Vertrauen, Verstehen und Kennenlernen. So ist es in Lateinamerika ein Zeichen von extremster Armut, wenn wir keine Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen oder unsere Hobbys haben. Alle Menschen der Glücksländer sind langsamer als wir. Fragen Sie einen Holländer, was er gerade tut, dann kann die Antwort durchaus lauten: „Ik zit lekker te niksen.“,“Ich nixe gerade gemütlich“.

Vorsatz: Versuchen Sie, Zeit nicht immer effizient zu planen. Planen Sie Lücken zwischen Ihren Terminen. Leerlauf. Zum runterkommen, ankommen oder einfach mal Löcher in die Luft starren.

Nehmen Sie sich Ihre Freiheit!

Wollen Sie ab 2016 immer um 18 Uhr nach Hause kommen, um die Kinder zu erleben? Oder suchen Sie sich gleich einen Arbeitgeber, der Familienfreundlichkeit ganz groß schreibt und Part-Time Jobs für Väter ganz normal findet?

Machen Sie sich eine Liste der Dinge, für die Sie brennen, die Sie schon immer einmal tun wollten: Ihre Talente. Ihre Träume. Welche Geschichten sollen in Ihrem Buch des Lebens stehen? Und dann überlegen Sie sich, welche brillanten und wirklich guten Entschuldigungen Sie dafür haben, das nicht zu tun.

Vorsatz: Streichen Sie die Ausreden und fangen Sie innerhalb der nächsten 72 Stunden, sprich bis spätestens 3. Januar, 23.59 Uhr an, schon etwas Kleines für den großen Plan umzusetzen.

Feiern Sie Ihr Leben mit anderen Menschen!

Ist der Umgang in Ihrem Unternehmen wirklich der, den Sie sich wünschen? Oder würden Sie lieber weniger verdienen dafür in einer Firma arbeiten, in der Respekt , Vertrauen und Zusammenhalt groß geschrieben werden?

„Niemand kann alleine glücklich sein.“`, so ein 91 jähriger Schiffsbesitzer aus Island während meiner Reise. Wenn Sie ausrutschen, finden Sie nur bei zwei Dingen halt: beim Laternenpfahl oder einem anderen Menschen. In einem harmonischen Verbund mit anderen Menschen leben zu können, macht Menschen glücklich. In der ganzen Welt. Und dafür strengen sich alle an. Nehmen Sie sich selbst ein wenig zurück, beharren Sie nicht auf Ihren Standpunkt, suchen Sie nach dem, was Sie mit anderen verbindet. Als Gleiche unter Gleichen. Wenn Sie sich dazu entscheiden, fallen Ihnen selbst die besten Vorsätze ein.

Vorsatz: Grüßen Sie immer und jeden. Bedanken Sie sich lächerlich oft. Gewähren Sie anderen auch dann die Vorfahrt, wenn Sie sie eigentlich hätten.

 

Und dabei das Lachen nicht vergessen…

Vor allem über sich selbst. Gelassen bleiben. Vielleicht sich auch darauf besinnen, wie wenig im Leben schon reicht zum glücklich sein? Die Endlichkeit des Lebens dazu verwenden das Beste aus Ihrem Leben zu machen? Die gute Nachricht: Glück ist ganz unspektakulär. Es ist nur das Ergebnis der Werte die Sie leben. Täglich.

 

 

Freiheit macht glücklich!

Zumindest, die Echte. Tücken der Freiheit – „Arbeits-Märtyrer-Syndrom“: Deshalb ist unbegrenzter Urlaub so schädlich“ titelt focus.de. Und beruft sich auf die Erfahrung amerikanischer Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Freiheit gewähren, sich so viel bezahlten Urlaub zu nehmen, wie sie wollen. Resultat: Man nimmt sich eher weniger Urlaub und arbeitet noch mehr. Warum? Die Mitarbeiter möchten einen guten Eindruck schinden, denn der Konkurrenzdruck ist mörderisch hoch.

Mit Freiheit hat das tatsächlich nichts zu tun. Also – zumindest nicht in Amerika. Denn es ist natürlich moralisch eine etwas zweifelhafte Nummer, seinem Kind zu sagen, es darf so viel Kuchen essen, wie es möchte, wenn es gleichzeitig  weiß, dass es aber bitte schön nicht mehr als ein Stück sein darf. Sonst gibt’s Ärger! Das sind zweideutige, sogenannte double-bind-Botschaften, die dann natürlich dazu führen, dass man sich vorsichtig nur eine kleine Ecke des Kuchens nimmt.

„Die Freiheit zu haben, dein Leben selbst einzurichten, selber zu wählen, flexibel zu sein, beschützt dein Glück.“, so der Glücksforscher und Ökonom Prof. Christian Bjørnskov aus Dänemark. Und das stimmt mit den Ergebnissen meiner Recherche-Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt überein: Freiheit ist einer der stärksten Glücksmotoren überhaupt.

Nur nicht die falsch verstandene. Natürlich ist jeder frei, ohne Fallschirm in den Abgrund zu springen. Wir leben aber immer im Kontext mit anderen Menschen und einer Kultur. In einer hire-and-fire, up-or-out-Kultur ohne Sicherheitsnetze von Freiheit zu sprechen ist schlichtweg grausam.

Bei den glücklichen Skandinavien wäre das Model des frei verfügbaren Urlaubs eher denkbar. Schweden z.B., ist nach dem World Value Survey das individualistischste Land der Welt, sprich Menschen sind es gewöhnt, sich ihre Freiheit zu nehmen. „Aber,“ so Professor Bengt Brülde von der Universität Göteborg „dann rede ich von gesundem Individualismus. In einer Gesellschaft mit einem hohen Vertrauens- und Solidaritätsniveau hat jeder eine reale Möglichkeit, das Leben zu leben, das er gerne möchte.“

Was das Model der USA scheitern lässt, ist das fehlende Quäntchen Verständnis, dass Menschen mehr sind als nur gut geölte Maschinen. Dass Menschen dann ihr Potenzial maximal nutzen, wenn sie sich in einer solidarischen, vertrauensvollen Gemeinschaft aufgehoben wissen.

Das ist mit ein Grund, weshalb die USA nie ausgezeichnet abschneiden im internationalen Glücksranking. Und das, obwohl in den USA ist das Recht auf Glück sogar in der Verfassung verankert ist.

Bestimmte Werte kann man nun einmal nicht von einander entkoppeln. Zu Freiheit gehört Verbundenheit. Und das ist die Basis für einen glücksbringend Job. Und Urlaub mit gutem Gewissen. Gerne auch unbegrenzt.

Oder?

Ihre Meinung ist mir wichtig! Hinterlassen Sie bitte Ihren Kommentar …

Die Sache mit dem Geld

Heute ein kurzer Artikel in der Wirtschaftswoche, auf den ich gleich mal reagieren möchte.

Ein interessanter Artikel, der aber in der Fragestellung tendenziell immer wieder darauf hinzielt, seine eigene These zu bestätigen.

Wie z.B. die Frage weshalb Schleswig-Holstein glücklicher sei, als das wohlhabende Bayern. In der Antwort nennt Prof. Raffelhüschen die Gene als Erklärung dafür. Es sei wohl die genetische Nähe zu dem Glücksland Dänemark. Mich erstaunt die Vehemenz, mit der auf die genetische Veranlagung hingewiesen wird. Die Glücksforschung ist sich nämlich noch gar nicht darüber einig, inwiefern Gene Menschen in ihrem Glücksniveau beeinflussen, wie mir der Ökonom Prof. Christian Bjørnskov aus Dänemark aber auch Prof. Robert Biswas-Diener aus den USA bestätigt haben.

Es ist nicht die genetische Nähe zu den Dänen, die dieses Land so glücklich machen, sondern die persönliche Freiheit, die die Menschen sich dort in ihrem Leben nehmen und das unglaublich hohe Vertrauensniveau, was in diesem Land und allen skandinavischen Ländern herrscht. Das Vertrauensniveau ist auch in Hamburg und Schleswig-Holstein das höchste Deutschlands.

Eine sinnvollere Erklärung wäre also gewesen, das hohe Glücksniveau dieser Bundesländer an das hohe Vertrauensniveau dieser Länder zu koppeln. Und, dass Vertrauen sowohl die Basis für individuelle Freiheit und jedwede Beziehung formt, bestätigt das Ergebnis meiner Recherchen, die ich in meinem Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von Ihnen lernen können.“ Die wahren Glücksmotoren sind Aspekte wie persönliche Freiheit, Vertrauen in die Gesellschaft, gelebte Verbundenheit, Zeit, Deregulierung und ein konsensorienterter Umgang miteinander.

Leider hat die Studie diese Motoren nicht mit berücksichtigt. Interessant wäre es, darüber nachzudenken, warum Geld auf der Bank, aber das Auto vor der Tür nicht glücklich machen. Wer Geld hat könnte z.B. deshalb glücklich sein, weil er sich damit Freiheit und bleibende Erlebnisse kaufen kann. Aber auch, weil er mit diesem Geld Gutes tun kann.

Die Schlussfolgerung der „Office for National Statistics“ ist also nicht grundlegend falsch. Sie lässt jedoch viele andere Aspekte und Korrelationen außer acht und liefert auch keine Erklärung dafür, weshalb unter den 13 glücklichsten Ländern der Welt 4 bettelarme Länder rangieren.

Ein weiterhin spannendes Feld.

Das humanistisches Grundsurren. Der Weg in ein glückliches Unternehmen.

Ich stehe vor meinem Hotel in Winnipeg im Glücksland Kanada und blicke auf die sechsspurige Straße. Der morgendliche Berufsverkehr brummt bereits in meinen Ohren. Drei Spuren Richtung Norden, drei Richtung Süden, vielbefahren, kein rettender Mittelstreifen in der Mitte und kein Fußgängerübergang in Sicht. Es ist sechs Uhr morgens, noch dämmerig. Der Verkehr zieht mit circa 50 Kilometer pro Stunde an mir vorbei. Auf der anderen Seite blinkt bereits verlockend die Leuchtreklame mit dem Verspechen eines „Coffee to go“.

Beherzt stelle ich mich an den Straßenrand und bereite mich mental auf ein minutenlanges Warten vor. Ich schaue nach links: Das erste Auto hält prompt, das zweite daneben, das dritte kurz danach. Von rechts kommend hält das vierte. Bevor ich überhaupt verstanden habe, was hier gerade passiert, haben die kanadischen Autofahrer freundlich winkend eine Gasse für mich gebildet, durch die ich sicher auf die andere Straßenseite gelange.

Spuren die Kanadier noch richtig? Mehr auf capital.de.

Welcome to the world’s happiest nation! Welcome to Germany!

Was wäre, wenn diese Reklametafel unsere Gäste an deutschen Flughafen begrüßen würde?

Das neue Image, die neue Identität Deutschlands? Bisher wurden wir ja eher mit sachlichen Attributen wie Perfektionismus, Gründlichkeit und Fleiß in Verbindung gebracht. Nicht schlecht. Können andere aber inzwischen auch und das zudem noch billiger. Mist. Was unterscheidet uns also langfristig in der Wahrnehmung der Welt?

Jeder Marketingspezialist weiß, dass Kundenbindung auch über die Emotionalität einer Marke entsteht. Über die Menschen, die sie verkaufen. Der Ruf, den eine Marke hat. Den Sympathiefaktor einer Marke. Wie wollen wir Deutschland in der Zukunft verkaufen? Wofür stehen wir? Wie sieht eine neue deutsche Identität aus?

Volvo-Glück

Volvo Glücksbrandig.

Wie wäre es, wenn wir unseren bisher so erfolgreichen sachlichen Eigenschaften noch ein paar emotionale Aspekte schenken würden? Glücklich, freundlich, gelassen, humorvoll, leidenschaftlich, liebevoll. Würde man uns das abkaufen? Oder wäre das eher so, als würde man einen Porsche 911 als das ideale Familienauto anpreisen? Oder, als ob wir die kühlen Produkte deutschen Maschinenbaus auf einmal mit gelben Smily-Stickern in der Welt verschickten? Absurd. Oder eben gerade nicht. Jedes Lächeln, das Sie einem Kunden abgewinnen ist auch ein Gewinn für Sie. 

Andere machen es uns vor. Die Dänen, zum Beispiel. Warum ist es gefühlt so logisch, dass die Dänen glücklich sind? Dabei wohnen Sie doch nur ein paar Kilometer von uns entfernt? Ist doch klar, die … äh … ja … Was machen die denn jetzt eigentlich genau anders? Irgendetwas an deren Branding muss dafür gesorgt haben, dass wir keinerlei Schwierigkeiten haben, uns vorzustellen, die Dänen seien glücklich. Die Verkäufer ihres Landes, sprich deren Bewohner, sind sympathisch, freundlich, rücksichtsvoll und höflich. Auf der Arbeit und privat. Das könnte es sein.

Happy-Costa-Rica

Costa Rica: Pura vida steht für „Alles ist gut! Wir haben alles. Wir sind glücklich hier.“

Dänemark, das uns mit „Welcome tot he world’s happiest nation“ begrüßt, aber auch Costa Rica nutzen bereits das happy-branding. Völlig legitim, so finde ich. Man sollte mit seinen Vorteilen nicht hinterm Berg halten, vor allem, wenn es nicht nur einem selber, sondern auch anderen nutzt. Nicht nur in Bezug auf den Tourismus. Wer ein Produkt aus Dänemark kauft, zum Beispiel ein Carlsberg Bier, der kauft auch ein kleines Stück Glück. Wer einen Volvo aus Schweden kauft, im Übrigen auch. Stellen Sie sich vor, andere würde mit jedem Produkt, das aus Deutschland kommt, nicht nur Perfektion, sondern auch ein wenig Sympathie und Glückseligkeit kaufen …

 

Wenn wir jetzt einfach einmal – nur probeweise – an allen deutschen Flughäfen ein solches Schild platzieren würden? Würden unsere Gäste erstaunt sein? Würden sie es logisch finden? Oder für einen schlechten Scherz halten? Würden wir selbst zum Schluss auch noch anfangen uns glücklich zu schätzen?

Imagine…

happiness-germany

 

Buchpremiere: Lauf rückwärts!

Und das ist sicherlich keine Aufforderung zum Rückschritt, sondern ein Appell an das Premiere-Publikum, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. „Sie können es aber auch sein lassen.“, so Maike van den Boom.

An die 65 Zuschauer erleben mit der Buchpremiere „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ am 28. April im Odysseum in Köln, einer Lesung der anderen Art. Angefangen mit einem lustigen making of-Film werfen sich Autorin und Moderatorin später gegenseitig die Bälle zu: Die bunte Key-note von Maike van den Boom untermalt Shary Reeves humorvoll mit den passenden Stellen aus dem Text.

Post_it„Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Freiheit!“, ist einer der Lernpunkte, die das Publikum gleich in die Tat umsetzten muss. Auf gelbe Aufkleber wird eifrig geschrieben, was man wirklich tun möchte. Die brillante Ausrede, es dann sein zu lassen, schreibt jeder gleich dazu.

„Es gibt definitiv kein DU hier – ICH da. Wir sind alle miteinander verbunden.“, ist die zweite Erkenntnis, die jeder der Anwesenden durch eine kleine Übung selbst erfährt. Die meisten Zuschauer scheitern erfolgreich, sich nicht durch ein Lächeln ihres Gegenübers anstecken zu lassen. Gute Nachrichten also!

Glücksbringer in der ganzen Welt, sind andere Menschen. Das kann auch Eduardo Wills Herrera, Professor für Wirtschaft und Glück an der Universität de los Andes in Kolumbien, bestätigen. Auch er ist heute Abend zu Gast. Trotz der Gewalt und der sozialen Ungleichheit sind die Menschen in diesem Land sehr glücklich, so berichtet er. Und das kommt durch den Zusammenhalt der Menschen untereinander.

„Dort, wo man sich dem Wert der Gemeinschaft verpflichtet fühlt, verhält man sich dementsprechend: konsensorientiert, rücksichtsvoll, respektvoll.“, so die Glücksreisende weiter. Schlechte Karten also für Alphatiere und Selbstverliebte.

Buehne-web

Professor Ruut Veenhoven erklärt in der anschließenden Talk-Runde das Entstehen des „World Database of Happiness“. Der dänische Wahl-Kölner Michel Birbæk stellt fest, dass der Deutsche dem Glück viel kritischer gegenüber steht, als sein dänischer Nachbar. Dr. Stefan Bergheim berichtet über seine Erfahrungen mit dem Forum für mehr Lebensqualität in Frankfurt. Und zu guter Letzt lässt sich Dr. Wolfgang Richter vom Odysseum auf seinen spannenden, digitalen Glücksmesser schauen. Den bekommt jeder Besucher angeheftet, der ab Mitte 2016 durch die neuste Glücks-Ausstellung des Odysseums streunt. Richters Glücksniveau ist während der Buchpräsentation übrigens gestiegen. Genau das wollten wir hören.

Der abschließende Film der O-Töne der Reise lässt noch einmal schmunzeln und nachdenklich werden.

Ein runder Abend, der die Gäste beglückt zu Wein und Häppchen ins Foyer entlässt.

 

 

Danke für die großzügige Unterstützung liebes Team des Odysseums und des FISCHER Verlags, sowie das Filmteam der Firma Rheinklang Media und dem Fotografen Wolf Gatow. Danke Dr. Stefan Bergheim, Prof.  Ruut Veenhoven, Dr. Wolfgang Richter und Michel Birbæk für die wertvollen Beiträge. Danke Shary Reeves für die großartige Moderation.