Freiheit macht glücklich!

Zumindest, die Echte. Tücken der Freiheit – „Arbeits-Märtyrer-Syndrom“: Deshalb ist unbegrenzter Urlaub so schädlich“ titelt focus.de. Und beruft sich auf die Erfahrung amerikanischer Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Freiheit gewähren, sich so viel bezahlten Urlaub zu nehmen, wie sie wollen. Resultat: Man nimmt sich eher weniger Urlaub und arbeitet noch mehr. Warum? Die Mitarbeiter möchten einen guten Eindruck schinden, denn der Konkurrenzdruck ist mörderisch hoch.

Mit Freiheit hat das tatsächlich nichts zu tun. Also – zumindest nicht in Amerika. Denn es ist natürlich moralisch eine etwas zweifelhafte Nummer, seinem Kind zu sagen, es darf so viel Kuchen essen, wie es möchte, wenn es gleichzeitig  weiß, dass es aber bitte schön nicht mehr als ein Stück sein darf. Sonst gibt’s Ärger! Das sind zweideutige, sogenannte double-bind-Botschaften, die dann natürlich dazu führen, dass man sich vorsichtig nur eine kleine Ecke des Kuchens nimmt.

„Die Freiheit zu haben, dein Leben selbst einzurichten, selber zu wählen, flexibel zu sein, beschützt dein Glück.“, so der Glücksforscher und Ökonom Prof. Christian Bjørnskov aus Dänemark. Und das stimmt mit den Ergebnissen meiner Recherche-Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt überein: Freiheit ist einer der stärksten Glücksmotoren überhaupt.

Nur nicht die falsch verstandene. Natürlich ist jeder frei, ohne Fallschirm in den Abgrund zu springen. Wir leben aber immer im Kontext mit anderen Menschen und einer Kultur. In einer hire-and-fire, up-or-out-Kultur ohne Sicherheitsnetze von Freiheit zu sprechen ist schlichtweg grausam.

Bei den glücklichen Skandinavien wäre das Model des frei verfügbaren Urlaubs eher denkbar. Schweden z.B., ist nach dem World Value Survey das individualistischste Land der Welt, sprich Menschen sind es gewöhnt, sich ihre Freiheit zu nehmen. „Aber,“ so Professor Bengt Brülde von der Universität Göteborg „dann rede ich von gesundem Individualismus. In einer Gesellschaft mit einem hohen Vertrauens- und Solidaritätsniveau hat jeder eine reale Möglichkeit, das Leben zu leben, das er gerne möchte.“

Was das Model der USA scheitern lässt, ist das fehlende Quäntchen Verständnis, dass Menschen mehr sind als nur gut geölte Maschinen. Dass Menschen dann ihr Potenzial maximal nutzen, wenn sie sich in einer solidarischen, vertrauensvollen Gemeinschaft aufgehoben wissen.

Das ist mit ein Grund, weshalb die USA nie ausgezeichnet abschneiden im internationalen Glücksranking. Und das, obwohl in den USA ist das Recht auf Glück sogar in der Verfassung verankert ist.

Bestimmte Werte kann man nun einmal nicht von einander entkoppeln. Zu Freiheit gehört Verbundenheit. Und das ist die Basis für einen glücksbringend Job. Und Urlaub mit gutem Gewissen. Gerne auch unbegrenzt.

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