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Slow TV

Wenn es ein Volk gibt, in dem Slow-TV ein Hype werden kann, ja, dann ist das tatsächlich Norwegen. Ein siebenstündiger Dokumentarfilm einfach nur einer langsamen Zugfahrt quer durch Norwegen, ausgesendet zur besten Sendezeit Norwegens, vereinigte die Hälfte der Norweger hinter dem Flimmerkasten. Damit fing es an und wurde gefolgt von tagelangen Echtzeit- Sendungen einer Schiffsreise entlang der norwegischen Küste, Strick-Nächten, Angeln-Partien (Norweger lieben Angeln). Reality-TV im wahrsten Sinne des Wortes… Die Slow-TV-Programme des Senders NRK erreichen Traumquoten und erregen viel Aufmerksamkeit im Ausland. Schweden und die USA haben das TV-Format bereits übernommen. Der norwegische Fernsehproducer Thomas Hellum hatte hierzu die grandiose Idee.

Leidenschaft hat also nicht immer etwas mit laut, schrill und kontrovers zu tun. Leidenschaft kann auch leise sein, langsam und echt. So habe ich auch die Norweger während meiner Reise kennen gelernt. Und das ist einer der Gründe, weshalb sie auf Platz sieben des World Database of Happiness landen: mit Stille, Gelassenheit und leisen Tönen. In sich ruhend, sind sie immer genau da, wo sie gerade sind. Und das ist nicht nur der Weg zu Traumquoten, sondern auch zu einem glücklichen Leben.

Und so wurde auch ich kurzerhand von meinem norwegischen Glücksexperten Professor Joar Vittersø ausgebremst, als ich voller Elan und “Tschaka” in Tromsø landete. Der ruhige Prof in Gummistiefeln steckt mich kurzerhand in einen Ganzkörper-Ölanzug, verfrachtet mich in sein Motorboot und mit nimmt auf Nord-Kvaløya, der Insel der Wale. Raue Natur, hohe Berge, weite Fjorde – mal ein Haus hier und da. Ruhe.

Ankommen in dir selbst, ohne Ablenkung und demütig geduckt unter den Augen der übermächtigen Natur zu einem nichtigen Krümel schrumpfend. Das ist Norwegen. Das ist Glück.