Heute ein kurzer Artikel in der Wirtschaftswoche, auf den ich gleich mal reagieren möchte.

Ein interessanter Artikel, der aber in der Fragestellung tendenziell immer wieder darauf hinzielt, seine eigene These zu bestätigen.

Wie z.B. die Frage weshalb Schleswig-Holstein glücklicher sei, als das wohlhabende Bayern. In der Antwort nennt Prof. Raffelhüschen die Gene als Erklärung dafür. Es sei wohl die genetische Nähe zu dem Glücksland Dänemark. Mich erstaunt die Vehemenz, mit der auf die genetische Veranlagung hingewiesen wird. Die Glücksforschung ist sich nämlich noch gar nicht darüber einig, inwiefern Gene Menschen in ihrem Glücksniveau beeinflussen, wie mir der Ökonom Prof. Christian Bjørnskov aus Dänemark aber auch Prof. Robert Biswas-Diener aus den USA bestätigt haben.

Es ist nicht die genetische Nähe zu den Dänen, die dieses Land so glücklich machen, sondern die persönliche Freiheit, die die Menschen sich dort in ihrem Leben nehmen und das unglaublich hohe Vertrauensniveau, was in diesem Land und allen skandinavischen Ländern herrscht. Das Vertrauensniveau ist auch in Hamburg und Schleswig-Holstein das höchste Deutschlands.

Eine sinnvollere Erklärung wäre also gewesen, das hohe Glücksniveau dieser Bundesländer an das hohe Vertrauensniveau dieser Länder zu koppeln. Und, dass Vertrauen sowohl die Basis für individuelle Freiheit und jedwede Beziehung formt, bestätigt das Ergebnis meiner Recherchen, die ich in meinem Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von Ihnen lernen können.“ Die wahren Glücksmotoren sind Aspekte wie persönliche Freiheit, Vertrauen in die Gesellschaft, gelebte Verbundenheit, Zeit, Deregulierung und ein konsensorienterter Umgang miteinander.

Leider hat die Studie diese Motoren nicht mit berücksichtigt. Interessant wäre es, darüber nachzudenken, warum Geld auf der Bank, aber das Auto vor der Tür nicht glücklich machen. Wer Geld hat könnte z.B. deshalb glücklich sein, weil er sich damit Freiheit und bleibende Erlebnisse kaufen kann. Aber auch, weil er mit diesem Geld Gutes tun kann.

Die Schlussfolgerung der „Office for National Statistics“ ist also nicht grundlegend falsch. Sie lässt jedoch viele andere Aspekte und Korrelationen außer acht und liefert auch keine Erklärung dafür, weshalb unter den 13 glücklichsten Ländern der Welt 4 bettelarme Länder rangieren.

Ein weiterhin spannendes Feld.

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