Glück bedeutet genießen und das Beste geben

Urlaub an der Mosel. Pralle Sonne, exzellenter Wein, alles da zum glücklich sein. Bis mein Smartphone klingelt. Deutschlandfunk Nova bittet um Stellungnahme: „Nicht nach Glück zu streben, mache uns glücklicher“, so Rafael Euba, ein Psychiater aus London. „Glücksexpertin van den Boom, ist das so?

„Jain“, so meine Antwort. Ich mag es konkret.

Eubas These: Der Mensch sei nicht dazu gemacht, konstant glücklich zu sein, denn seine erste Aufgabe sei es, zu überleben und sich fortzupflanzen. Das menschliche Gehirn zeige für Glück keine Nerven-Verschaltungen. Deshalb sei es sinnvoller, nicht ständig nach dem Glück zu streben, sondern zu akzeptieren, dass Schmerz zum Leben einfach dazugehöre. Nicht glücklich sein zu wollen, mache uns glücklicher.

Stimmt.

Euphorisches Glück ist nicht von Dauer und das ist gut so.

Auf einer Glücksskala von null bis zehn wäre diese Euphorie eine Zehn für “super glücklich”. Dieses Glücksgefühl, ähnlich dem Gefühl des Frischverliebtseins, würde nämlich dafür sorgen, dass wir eventuell die Gefahren eines Säbelzahntigers nicht wahr nähmen. Es ist deshalb evolutionär nicht erwünscht. Aber auch im heutigen Geschäftsleben verliert ein CEO, der auf Wolke 7 schwebt, gern den Überblick. Das kann fatale Folgen haben.

Wir würden uns aber auch nicht als Menschen weiterentwickeln, wären wir ständig überglücklich. Es gäbe wenig Anreiz etwas zu verändern. Deshalb fühlen manche schnell, manche erst nach einer langen Weile eine kleine nagende Unzufriedenheit. Manche benötigen aber auch erst eine große Krise, um sich weiterzuentwickeln, neue Wege zu erkunden und die ihnen geschenkten Fähigkeiten weiter auszubauen. Und immer wenn wir das tun, kommen wir dem Gefühl sehr nahe, das der  Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi als „Flow“ bezeichnet. Dann gehen wir in unserer Tätigkeit auf, vergessen die Zeit, sowie unser eigenes Ego und werden mit einer intensiven Glücksstimmung belohnt, die länger anhält als nur einen Moment. Sprich:

Ein glückliches Leben ist die Belohnung fürs Wachsen,

nicht fürs nur Spaß haben. Deshalb sind Kicker-Tische und Rutschen nach Silicon-Valley-Vorbild nicht genug für eine glückliche Unternehmenskultur. Nur die Zehner-Glücksmomente zu suchen oder zu bieten ist sinnlos. Danach zu streben, durch persönliches Wachstum nachhaltig Glück zu erfahren hingegen schon. Denn es hat dazu geführt, dass wir eben mehr geworden sind, als nur eine Spezies, die sich primär auf seine Fortpflanzung und sein Überleben konzentriert. Dass dies evolutionär erwünscht sein könnte, zeigt auch die Forschung:

Glückliche Menschen sind um 20 Prozent produktiver!

Wenn wir uns gut fühlen, wird unser Hirn mit Dopamin geflutet. Dadurch erweitert sich der gesamte kognitive Rahmen. Wir sehen mehr Lösungen, sind kreativer und arbeiten lieber zusammen. Eine Unternehmenskultur, die allen Menschen die Möglichkeit bietet sich frei und ihren persönlichen Talenten entsprechend weiter zu entwicklen, ist also die Basis für glückliche Mitarbeiter und erfolgreiche Unternehmen. Glückliche Mitarbeiter sind nicht nur ein nettes “Add-on”. Wen das Glück seiner Mitarbeiter nicht interessiert, der handelt unternehmerisch fahrlässig. (Wie Sie nach skandinavischem Vorbild das Glück Ihrer Mitarbeiter fördern, können Sie in den folgenden Blogbeiträgen lesen. Bleiben Sie dran).

Launen färben ab!

Glück färbt ab. Auch im Job.

Wenn wir ein Lächeln sehen, lächelt unser Gehirn zurück.

Wir sind tief im Sozialen verankert. Wir können schlichtweg nicht ohne andere Menschen existieren. Deshalb beeinflussen wir einander auch ständig und unwiderstehlich. (Wie unwiderstehlich können Sie übrigens während meiner Keynotes erfahren.)
Wenn ein Menschen uns anlächelt, dann werden in unserem eigenen Gehirn Areale aktiviert, die für unser eigenes Lächeln zuständig sind. Wir können uns also nicht wehren. Auch wenn wir es nicht wollen, unser Gehirn hat bereits zurück gelächelt. Glück färbt auf unsere Umgebung ab und hilft anderen Menschen ebenfalls ihr 20%-Potenzial zu entwickeln.
Umgekehrt stresst negatives Verhalten unsere Umgebung. Schlechte Laune zieht auch andere mit herunter. Mit der Faust auf den Tisch zu hauen, ist also nicht nur asozial, sondern auch unternehmerisch nicht besonders schlau. Nett sein lohnt sich hingegen mehr.

Zurück zu Herrn Euba. Menschen sollten tatsächlich nicht den flüchtigen Glücksmomenten hinterher jagen. Doch das Streben nach einem langanhaltenden Glücksgefühl, das sich einstellt, wann immer wir unser Potenzial maximal nutzen und damit auch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten, ist absolut erstrebenswert. Es besteht deshalb meiner Meinung nach eine soziale Verpflichtung, nicht immer wie ein Smiley herum zu hüpfen, aber zumindest unser Bestes zu geben, um glücklich zu sein. 

 

Was meinen Sie? Ist das Streben nach Glück überflüssig oder sinnvoll? Nichts ist besser als eine wertschätzende Diskussion. Also her mit Ihrer Meinung. Ich freue mich.

 

 

 

 

 

1 Antwort
  1. Jürgen
    Jürgen sagte:

    Der liebe Herr Euba lebt wohl ein sehr trauriges Leben.
    Nicht nach Glück zu streben würde ggf bedeuten, mit Ansage im Unglück zu verharren. Sollte das tatsächlich seine Empfehlung sein, ist das wohl der Tatsache geschuldet, dass der Herr mit unglücklichen Menschen seinen Lebensunterhalt bestreitet. Sozusagen seine Anleitung zum „Unglücklichbleiben“. Ein Beratungsabonnement. Der Amerikaner würde das „self sustainable business model“ nennen. Mahlzeit… (-;
    Zudem hat er wohl vergessen, dass die Natur sowohl Fortpflanzung als auch Nahrungsaufnahme mit Glücksmomenten verbunden hat. Beides kann einem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Bei der Vorfreude, beim Genuss und danach. Ohne dieses Glück jenseits purer Bedürfnisbefriedigung wäre der Mensch wohl schon ausgestorben.
    Vielleicht ist seine Ansicht aber auch nichts anderes als die mentale Vorbereitung auf den Brexit.

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