Glück, Laune, Humor, Respekt, Miteinander, Team, Verantwortung, Maike van den Boom, Keynote

März 2019. Es ist soweit. Für 475 Australische Dollar, umgerechnet circa 300,- EUR haben die Bewohner von Queensland jetzt gut lachen. Und alle anderen auch. Mit oder ohne Sonnenbrille, mit Lachtränen in den Augenwinkeln, Herzaugen oder einem kecken Zwinkern. Die Autofahrer dieses australischen Bundesstaates haben ab jetzt die Möglichkeit, ihr Lachen auf dem Nummernschild spazieren zu fahren. Und damit nicht nur ihrer eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen, sondern auch anderen ein Lächeln ins Hirn zu zaubern.

Denn dem Lächeln eines anderen Menschen entkommen Sie nicht.

Auch nicht dem eines Smilies. Sie brauchen es gar nicht erst zu probieren. Wenn eine andere Person Sie anlächelt, lächeln Sie innerlich neuronal mit und fühlen sich dadurch besser. Sie können sich quasi gar nicht wehren, so erklärte mir Professor Christian Keysers bereits während meiner Reise zu meinem ersten Buch. Er forscht in den Niederlanden auf diesem Gebiet.

Lesetipp: Christian Keysers: „Unser emphatisches Gehirn: Warum wir verstehen, was andere fühlen

Launen färben ab. Nicht umsonst reden wir von Ausstrahlung.

Wenn wir Emotionen anderer Menschen erleben, sorgt unser Gehirn dafür, dass wir sie mitempfinden. Das Hirn aktiviert dann Regionen, die normalerweise für das eigene Erleben solcher Emotionen zuständig sind. Wir fühlen mit anderen. Und somit beeinflussen Launen anderer unser Empfinden und unsere Launen färben wiederum auf andere Menschen ab.

Das ist der Grund, weshalb ich während meiner Reden, ob auf Kunden- oder Führungskräfte-Veranstaltung, keine Möglichkeit auslasse, mein Publikum erfahren zu lassen, wie stark wir einander tatsächlich emotional beeinflussen. Vereinfacht erklärt hat bei einem Duo die eine Person den Auftrag, eine Miene aus Stein zu zeigen. Die andere denkt an den glücklichsten Moment ihres Lebens, schaut der ersten Person in die Augen und versucht ihre positive Emotionen zu teilen. 90 Prozent der versteinerten Mienen schmelzen binnen weniger Sekunden mit einem breiten Grinsen dahin. Gott sei Dank!

Denn wir sind für einander wichtig.

Das ist für ein harmonisches Zusammenleben und eine harmonische Teamarbeit wohl eine der bedeutungsvollsten Erkenntnisse: Dass wir einander ständig und überall beeinflussen. Dasses faktisch kein „ich hier“, „du da“ gibt, sondern nur die Schnittmenge des „Wir“. Mit Ihrem Erscheinen auf der Bildfläche übernehmen Sie also die Verantwortung für das Wohlergehen anderer Menschen. Ob Sie wollen oder nicht. Nichts, was Sie tun, sagen oder zeigen ist unwichtig. Weder zu Hause, im Job noch im Verkehr. Und das ist fantastisch, denn damit haben Sie eine ungeheure Kraft, bedeutungsvoll für andere Menschen zu sein. Allein durch Ihre Anwesenheit können Sie eine negative Atmosphähre in eine positive verändern.

Unterschätzen Sie also niemals den Einfluss, den Sie haben.

Denn ich, du, Sie, wir zusammen formen die Gesellschaft, oder auch einfach „nur“ ein Unternehmen, über das wir uns oft so gerne beschweren. Wenn Sie also etwas bewegen wollen, dann fangen Sie selbst damit an und warten Sie nicht auf andere: Lächeln Sie geduldig, wenn die Frau vor Ihnen ewig das Kleingeld beim Bäcker zusammenzählt, während Sie eh schon zu spät zum Termin kommen. Lächeln Sie, wenn der Fahrer vor Ihnen nicht verstanden hat, dass die 30er Zone seit einem Kilometer zu Ende ist. Lächeln Sie, wenn Ihr Mitarbeiter einen Fehler macht. Nehmen Sie sich selbst nicht so wichtig und lassen Sie weise Milde walten. Öfter als Sie denken erhalten Sie ein Lächeln zurück. Und dieses Lächeln erzeugt eine entspannte Atmosphäre des Vertrauens und eine Öffnung, die einen fruchtbaren Dialog erst möglich macht. Denn wo sich eine Öffnung zeigt, da kann Energie fließen und mit ihr die Kreativität, Ideen und eine kindliche Naivität, die dem Norden Europas so eigen ist. Wer sich in einer wohlwollenden Atmosphäre aufgehoben fühlt, der traut sich auch, seine unsägliche schlechten, naiven, „unumsetzbaren“ Ideen auf den Tisch zu legen. Und zusammen mit einem anderen unsäglich schlechten Hirngespinst entsteht mit ein wenig Glück etwas Neues. Etwas, was wir so nötig brauchen in Deutschland.

Andere Länder sind echt netter…

Hans Olav, Gründer von Making Waves in Oslo

…und damit auch kreativer, mutiger, innovativer. Skandinavische Länder zum Beispiel verwenden eine Menge Energie darauf, Dinge einfach nur „n-e-t-t“ zu sagen. Über jede typisch deutsche Formulierung kippt der Schwede nach Aussage der deutsch-schwedischen Handelskammer eine Flasche Weichspüler. Die Kommunikation wird dadurch langsamer, aber auch ungleich unbefangener. Denn in einer entspannten Umgebung fühlen sich Menschen wohler. Sie müssen sich weder abgrenzen noch beschützen. Wir halten hingegen immer den Atem an, wenn wir Aggressionen spüren, im Großen wie im Kleinen. Egal, ob wir direkt involviert sind oder nicht. Wir sind mit einem Sensor ausgestattet, der uns Konfrontationsbereitschaft wahrnehmen lässt. Er kriecht uns unter die Haut und knufft uns zwischen die Schulterblätter. Konflikte bedeuten potentiell die Gefahr einer Konfrontation und sorgen für die Ausschüttung des Hormons Adrenalin, damit wir es ganz sicher noch bis zum nächsten Baum schaffen, wenn’s knallt. Unsere Wahrnehmung verengt sich, wir sind effektiv in einer Sache, schalten aber zugleich die Sensoren ab, die alles andere wahrnehmen würden, was es noch zu entdecken gäbe und zu Neuerungen führen könnte. Und das ist nicht effektiv.

Es geht nicht nur darum, nett zu sein. Aber es ist auch nett, nett zu sein.“ erklärte mir deshalb Hans Olav, Gründer von Making Waves, einer Beratungsfirma in Oslo, während meiner Reise durch 30 skandinavische Unternehmen. „Es lohnt sich auch. Wenn du Menschen ein gutes Leben bietest, dann hast du glücklichere und effektivere Mitarbeiter. Dann ist das ein gutes Geschäft für beide.“ Und zu einem guten Leben gehört es, nach Aussage eines Bauarbeitersaus Schweden auch, Dinge nicht kompliziert zu machen, herumzumotzen oder böse zu werden, sondern einfach nur zu lächeln und nett zu sein.

Smilies für alle!

Also weg mit den :-( hin zu den :-). Wir können ja schon einmal das Nett-Sein und Lächeln üben. Auch, wenn dies erst einmal nur das Nummernschild tut. Ich glaube, wer sich für ein lächelndes Emoij entscheidet, der wird sich schnell der Absurdität seines eigenen Schwarzärgerns bewusst. Und Untersuchungen weisen darauf hin, dass Emojis/Emoticons einen ähnlichen Effekt auf das menschliche Gehirn haben, wie reale Gesichtsausdrücke.

Queensland bietet netterweise an, die Idee zu kopieren. Ich hab es schon mal mit meinem alten Bonner Nummernschild ausprobiert:

Was meinen Sie? Wäre das nicht eine ausgezeichnete Idee für unsere deutsche Straßen? Und Bürotüren? Also ich fände es … nett.

 

 

(P.S.: In meinen Vorträgen erzähle ich super gerne mehr: Einfach anfragen)

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